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Systemvergleich

Vendure vs. Shopware: Der ehrliche Vergleich

Ich habe mit ProCommerce ein Shopware-6-Theme samt Plugin gebaut und entwickle seit der Beta auf Vendure. Für neue Projekte empfehle ich heute fast immer Vendure: bessere Developer Experience, tiefere Anpassbarkeit und eine Architektur, die mitwächst. Was Shopware trotzdem stark macht und wann ich Ihnen dazu rate, steht weiter unten.

Meine Empfehlung

Was Vendure für Entwickler und Betreiber besser macht

Vier Punkte, die in Projekten wirklich den Unterschied machen. Alles nachprüfbar in der offiziellen Dokumentation, nicht aus einer Verkaufsbroschüre.

Developer Experience, die Zeit spart

  • Die Vendure-CLI generiert Plugins, Entities, Services, Job-Queues und API-Erweiterungen fertig verdrahtet. Kein Boilerplate von Hand.
  • Tests laufen mit Vitest und einer eingebauten Test-Umgebung, die die befüllte Datenbank zwischenspeichert. Der zweite Testlauf startet damit sofort.
  • Ein Fehler im Datenmodell ist ein Compile-Fehler, kein Ticket aus der Produktion. Schema, Resolver und Storefront hängen typisiert zusammen.

Schnell, weil weniger Arbeit anfällt

  • GraphQL liefert genau die Felder, die eine Seite braucht, in einer Anfrage. Shopware setzt auf eine JSON-Store-API ohne offizielles GraphQL, was schnell mehrere Requests pro Seite bedeutet.
  • Der EntityHydrator lädt Beziehungen nur nach, wenn sie fehlen, und spart so überflüssige Joins.
  • Für mehrere Instanzen gibt es einen gemeinsamen Cache über Redis, damit nicht jede Instanz ihren eigenen Cache aufbaut.
  • Vendure selbst berichtet für Version 2.2 von einer Produktdetailseite, die bei über 180.000 Produkten und vier Millionen Varianten von 7,5 Sekunden auf 115 Millisekunden gefallen ist.

Sie machen es zu Ihrem Produkt

  • Eigene Felder lassen sich an nahezu jede Entität hängen und tauchen automatisch in der GraphQL-API und im Admin auf.
  • Eigene Tabellen, Resolver und Hintergrundjobs sind normale Bestandteile eines Plugins, keine Sonderfälle.
  • Zahlungsarten, Versand, Steuern und Rabatte tauschen Sie über dieselben Schnittstellen aus, die auch der Kern nutzt.

Wächst mit, ohne Umbau

  • Server und Worker skalieren unabhängig voneinander. Rechenintensive Jobs bekommen eigene Prozesse, ohne den Shop zu bremsen.
  • Einzelne Worker lassen sich gezielt auf bestimmte Job-Queues festlegen, etwa Suchindex getrennt von E-Mail-Versand.
  • Über Channels laufen mehrere Marken, Länder oder Filialen auf einer Instanz. Ein von Vendure veröffentlichter Case beschreibt 28 Franchise-Betriebe in einem System.
  • Ich betreibe damit unter anderem einen Marktplatz mit über 20.000 Nutzern und begleite ein Replatforming mit mehr als 30 eigenen Plugins.

Zahlen statt Versprechen

Kursierende Benchmark-Vergleiche zwischen Shop-Systemen sind meist wertlos, weil sie unterschiedliche Kataloge, Caches und Hardware messen. Vendure bringt ein k6-Lasttest-Setup mit. Statt Ihnen eine Zahl aus einem Blogpost zu zeigen, messe ich im Zweifel auf Ihrem Katalog und Ihrer Infrastruktur, bevor Sie sich entscheiden.

TL;DR

Die Entscheidungsmatrix

Beide Systeme sind ausgereift. Welche Seite gewinnt, entscheidet Ihr Geschäftsmodell und Ihr Team-Stack - nicht ein Feature-Vergleich.

Entscheidungsmatrix Vendure gegen Shopware
AspektVendureShopware
Tech-StackTypeScript, NestJS, GraphQL, beliebiges FrontendPHP, Symfony, Twig-Storefront oder Headless via Store-API
LizenzOpen Source (GPLv3), optional Vendure CloudCommunity Edition kostenlos, kommerzielle Editionen darüber
API & DatenzugriffGraphQL für Shop und Admin, genau die benötigten Felder in einer Anfrage, typisiert bis in die StorefrontStore API als JSON über HTTP, kein offizielles GraphQL
Custom-GeschäftslogikKernstärke - alles ist ein typisiertes PluginMöglich, aber gegen die Konventionen eines Produkts
Standard-Shop out-of-the-boxStorefront und Checkout baut man selbst (Starter vorhanden)Kernstärke - Storefront, Checkout, Admin fertig
Ökosystem DACHWachsend, international, kleine Partner-LandschaftSehr groß - Agenturen, Plugins, Hosting etabliert
Hosting & DatenkontrolleSelf-hosted in der EU, volle Kontrolle (DSGVO-freundlich)Self-hosted oder Shopware-Cloud
ErweiterbarkeitEin Plugin ist ein normales NestJS-Modul mit Zugriff auf dieselbe Datenbank, denselben Event-Bus und dieselbe Job-Queue wie der Kern selbstPlugins laufen im eigenen PHP-Prozess mit vollem Zugriff, Cloud-taugliche Apps kommunizieren dagegen nur per Webhook mit einem externen Server
Update-SicherheitBreaking Changes nur in Major-Versionen, TypeScript und Codegen zeigen Inkompatibilitäten schon beim KompilierenDer Wechsel von Webpack zu Vite in Version 6.7 hat viele Plugins mit eigenem Admin-UI sichtbar zerlegt
Architektur

Zwei Welten: TypeScript vs. PHP

Vendure

NestJS-Server mit GraphQL-APIs für Shop und Admin. Jede Erweiterung ist ein typisiertes Plugin mit eigenen Entities, Resolvern und Jobs. Wer TypeScript im Team hat, nutzt einen Stack von Storefront bis Datenbank - ein Grund, warum ich Buchungen, KYC und Split-Payments bei fainin komplett als Plugins bauen konnte.

Technisch ist ein Plugin nichts anderes als ein NestJS-Modul, viele NestJS-Module lassen sich laut Dokumentation direkt als Plugin verwenden. Zahlungsarten, Versandberechnung, Steuerlogik und Promotions laufen im Kern über dieselben Strategy-Interfaces, die auch Plugins implementieren. Es gibt also keine separate, eingeschränkte Plugin-API neben dem eigentlichen Produkt, Kern und Plugin sprechen dieselbe Sprache.

Shopware

Symfony-Anwendung mit Twig-Storefront, App-System und großem Plugin-Store. Administration und Standard-Prozesse sind out-of-the-box stark; tiefe Eingriffe in den Kern verlangen PHP-Erfahrung und Respekt vor Update-Pfaden. Für klassische DACH-Shops mit ERP-Anbindung ein bewährter Weg.

Shopware trennt bewusst zwei Wege: Plugins sind Symfony-Bundles mit vollem PHP-Zugriff, aber nur selbst gehostet nutzbar. Apps für die Cloud-Version laufen komplett außerhalb von Shopware und sprechen nur per Webhook mit einem externen Server. Kernservices verändert man über das offizielle Decoration-Pattern statt direkter Vererbung, sauber dokumentiert und ein echter Grund, warum Plugins Updates besser überstehen.

Kosten

Lizenz ist nicht gleich TCO

Der Vendure-Core ist GPLv3 und bleibt kostenlos, egal wie stark Ihr Umsatz wächst. Eine kommerzielle Lizenz brauchen Sie nur für Enterprise-Zusatzfunktionen oder wenn Sie eine veränderte Version an Dritte weitergeben. Shopware reicht von der kostenlosen Community Edition (mit Umsatzgrenze, siehe unten) über Rise ab rund 600 Euro und Evolve ab rund 2.400 Euro bis zu Beyond ab rund 6.500 Euro im Monat. Entscheidend sind am Ende aber Entwicklungs- und Betriebskosten: Ein Framework belohnt Custom-Logik, ein Produkt belohnt Standardnähe.

Der Unterschied, der zählt

Besitzen oder nutzen: der eigentliche Unterschied

Beide Systeme lassen sich technisch erweitern. Der Unterschied liegt darin, wessen Produkt Sie am Ende in den Händen halten.

Vendure: Der Code gehört Ihnen

  • Ein Plugin liegt in Ihrem eigenen Repository, nicht in einem fremden Ordner voller Erweiterungen. Der Kern wird wie jede andere Bibliothek als Dependency aktualisiert.
  • GPLv3 erlaubt es, den Kern zu forken, zu verändern und selbst zu betreiben, dauerhaft. Die Pflicht zur Veröffentlichung entsteht erst, wenn Sie eine veränderte Version weitergeben, nicht wenn Sie sie fürs eigene Geschäft nutzen.
  • Kein Umsatz-Limit, keine Edition-Grenze. Was heute kostenlos läuft, läuft auch bei 10 Millionen Euro Jahresumsatz noch kostenlos.

"Fundamental gut architektierter Code. Klar, intuitiv, leicht zu erweitern."

Daniel Biegler, CTO bei Chimpify GmbH (Quelle: vendure.io)

Shopware: Sie nutzen ein Produkt

  • Plugins folgen den Konventionen des Anbieters: Decoration statt Vererbung, Twig-Blocks statt Template-Kopie. Sauber dokumentiert, aber es bleibt das Regelwerk eines anderen.
  • Die Kernfunktionen sind gestaffelt: Community Edition kostenlos, darüber Rise, Evolve und Beyond mit jeweils mehr Funktionsumfang und Preis.
  • Seit 2025 gilt eine Fair-Use-Policy: Ab 1 Million Euro Jahresumsatz ist die kostenlose Community Edition nicht mehr zulässig. Ohne kostenpflichtige Edition verliert der Shop den Zugriff auf den Store und damit Sicherheitsupdates für installierte Plugins.
Offizielle Ankündigung der Fair-Use-Policy

Fair bleibt: Eigenverantwortung hat ihren Preis. Bei Vendure übernehmen Sie Wartung und Sicherheitsupdates selbst, das Ökosystem ist kleiner und Sie brauchen ein Team, das TypeScript und GraphQL wirklich beherrscht. Shopware bringt dafür ein fertiges Storefront und Admin-Panel mit, über 1.200 zertifizierte Partneragenturen und mehr als 3.100 Erweiterungen im Store. Wer schnell einen Standard-Shop braucht, ist damit oft besser bedient, auch wenn er das Produkt eines anderen nutzt statt sein eigenes zu besitzen.

Fairness

Wann Shopware die bessere Wahl ist

  • Ihr Sortiment und Checkout sind Standard und Sie brauchen einen fertigen Shop, keinen Rahmen für Eigenbau.
  • Ihr Team oder Ihre Agentur lebt in PHP und kennt das Shopware-Ökosystem bereits.
  • Sie wollen möglichst viele Funktionen fertig im Plugin-Store einkaufen statt sie bauen zu lassen.

Wenn Sie sich hier wiederfinden, sage ich Ihnen das im Erstgespräch genauso - ich verdiene nichts daran, das falsche System zu empfehlen.

FAQ

Häufige Fragen zum Vergleich

Nur wenn Ihr Geschäftsmodell am Produkt-Charakter von Shopware reibt: Marktplatz-Funktionen, Buchungen, B2B-Sonderlogik. Ein laufender Standard-Shop wechselt besser nicht wegen der Technologie allein.

Ja, über die Store-API. Der Unterschied liegt im Kern: Vendure ist als API-first-Framework gebaut, Shopware als Produkt mit mitgelieferter Storefront, das man auch headless betreiben kann.

Ein TypeScript-Team ohne PHP-Erfahrung fährt mit Vendure besser, ein PHP-Team oder eine bestehende Shopware-Agentur mit Shopware. Der Stack Ihres Teams ist in der Praxis das stärkste Argument.

Selten sinnvoll. Realistischer ist ein schrittweiser Übergang mit Parallelbetrieb während einer Migration - mit sauberen Redirects und Datenabgleich, damit SEO und Bestellungen nicht leiden.

Pauschal lässt sich das nicht seriös beantworten, es gibt keinen belastbaren Vergleichs-Benchmark und beide Systeme laufen sauber aufgesetzt schnell. Der praktische Unterschied liegt darin, wie viel Arbeit anfällt: Über GraphQL holt eine Seite genau ihre Felder in einer Anfrage, statt mehrere REST-Aufrufe zu bündeln. Was am Ende zählt, ist eine Messung auf Ihrem Katalog, und die mache ich Ihnen gern vor der Entscheidung.

Ja. Vendure steht unter der GPLv3, Sie dürfen den Kern forken, anpassen und für das eigene Geschäft betreiben, auch als SaaS. Eine Pflicht zur Veröffentlichung entsteht erst, wenn Sie eine veränderte Version an Dritte weitergeben. Wer diese Pflicht ganz vermeiden will, kann eine kommerzielle Lizenz erwerben.

Seit 2025 gilt für die kostenlose Community Edition eine Umsatzgrenze von 1 Million Euro pro Jahr. Wird sie überschritten, ist eine kostenpflichtige Edition wie Rise, Evolve oder Beyond erforderlich, sonst verliert der Shop den Zugriff auf Store und Sicherheitsupdates.

Klingt nach einem Vendure-Projekt?

Dann lassen Sie uns über Architektur, Aufwand und Zeitplan sprechen. Und falls Ihr Fall doch besser zu Shopware passt, sage ich Ihnen auch das.